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FSC, GRS, Fairtrade & Co. einfach erklärt: Welche Zertifikate bei Werbeartikeln wirklich aussagen

Autorenbild: An Bui
An Bui
vor 2 Stunden
4 Min. Lesezeit

Wer nachhaltige Werbeartikel beschaffen möchte, stößt früher oder später auf eine Vielzahl von Siegeln und Zertifikaten.


FSC. GRS. Fairtrade. OEKO-TEX. GOTS.


Auf den ersten Blick vermitteln sie Orientierung. Gleichzeitig entstehen oft neue Fragen:


  • Was genau wird eigentlich geprüft?

  • Gilt das Siegel für das gesamte Produkt oder nur für einzelne Bestandteile?

  • Welche Unterschiede gibt es zwischen den Standards?

  • Und wann reicht ein Zertifikat allein nicht aus?


Aus unserer Sicht sind Zertifikate wichtige Informationsquellen. Sie helfen dabei, Materialien, Lieferketten oder bestimmte Produktionsschritte besser einzuordnen. Gleichzeitig ersetzen sie nicht die Betrachtung des gesamten Produkts oder der dahinterstehenden Prozesse.


Warum Zertifikate bei Werbeartikeln überhaupt relevant sind


In vielen Projekten spielen heute Themen wie Lieferkettentransparenz, Materialherkunft oder Nachhaltigkeitsanforderungen eine Rolle. Gerade bei Werbeartikeln, Corporate Wear oder Merchandising-Produkten besteht ein Artikel oft aus verschiedenen Materialien und Komponenten. Ein Notizbuch kann beispielsweise Papier, Karton, Leim, Druckfarben und Verpackungsmaterial enthalten. Eine Trinkflasche besteht möglicherweise aus Kunststoff, Metall, Silikon und einer individuellen Veredelung. Deshalb ist es hilfreich zu verstehen, welche Aussage ein Zertifikat tatsächlich trifft und wo dessen Anwendungsbereich endet.


Zertifikat, Audit oder Materialangabe: Das ist der Unterschied


Aus unserer Sicht werden diese Begriffe häufig vermischt. Dabei beschreiben sie unterschiedliche Dinge.

Begriff

Bedeutung

Zertifikat

Unabhängiger Standard mit definierten Prüfkriterien

Audit

Prüfung eines Unternehmens oder Produktionsstandorts

Materialangabe

Beschreibung einer Produkteigenschaft

Lieferantenbewertung

Bewertung von Prozessen, Qualität oder Compliance-Anforderungen

Ein Beispiel:


Eine Tasche kann aus recyceltem Polyester bestehen. Das ist zunächst eine Materialeigenschaft.

Erst wenn die Herkunft und Verarbeitung des Recyclingmaterials nach einem anerkannten Standard geprüft wurden, entsteht daraus beispielsweise eine GRS-Zertifizierung.


FSC: Relevant für Holz- und Papierprodukte


Zentrales schwarzes Rechteck auf weißem Hintergrund, schlicht und minimalistisch.

Das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) begegnet Unternehmen besonders häufig bei:

  • Notizbüchern

  • Kalendern

  • Papiertragetaschen

  • Verpackungen

  • Holzartikeln


FSC bezieht sich auf die Herkunft von Holz- und Papierrohstoffen und verfolgt das Ziel einer verantwortungsvollen Waldwirtschaft.


Für Werbeartikel bedeutet das:

Ein FSC-Hinweis kann Informationen darüber liefern, aus welchen Quellen das verwendete Holz oder Papier stammt.


Wichtig ist jedoch:

Ein FSC-Zertifikat bewertet nicht automatisch das gesamte Produkt. Bei einem Notizbuch betrifft FSC beispielsweise hauptsächlich die Holz- oder Papierbestandteile.



GRS: Wenn Recyclingmaterial nachgewiesen werden soll


Abstraktes Logo auf türkisfarbenem Hintergrund mit hellblauer Kreisform und schwarzer Silhouette.

GRS steht für Global Recycled Standard.


Der Standard wird häufig bei Produkten eingesetzt, die Recyclingmaterial enthalten.Dazu gehören beispielsweise:


  • rPET-Trinkflaschen

  • Rucksäcke

  • Taschen

  • Textilien

  • Accessoires


GRS betrachtet nicht ausschließlich den Recyclinganteil eines Materials. Zusätzlich werden Aspekte der Lieferkette und bestimmte Anforderungen an Produktion und Chemikalienmanagement berücksichtigt.


Wichtig für die Praxis:

Ein Produkt mit GRS-Bezug macht eine Aussage über das verwendete Recyclingmaterial. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass das gesamte Produkt in jeder Hinsicht nachhaltig ist.


Material

Häufige Zertifikate

Papier

FSC

Holz

FSC

Recyceltes Polyester

GRS

Bio-Baumwolle

GOTS

Baumwolle

Fairtrade

Textilien

OEKO-TEX


Fairtrade: Fokus auf bestimmte Rohstoffe


Fairtrade-Logo auf weißem Hintergrund: schwarzes Quadrat mit blau-grünem Symbol und dem Schriftzug FAIRTRADE.

Fairtrade wird häufig mit Nachhaltigkeit gleichgesetzt. Tatsächlich konzentriert sich Fairtrade vor allem auf die Bedingungen bestimmter Rohstoffe und Produzentengruppen. Bei Werbeartikeln betrifft dies häufig:


  • Baumwolle

  • Lebensmittel

  • Kaffee

  • Tee

  • Kakao


Fairtrade macht Aussagen zu Handelsbedingungen und bestimmten sozialen Kriterien innerhalb der jeweiligen Lieferkette. Das Zertifikat sagt jedoch nicht automatisch etwas über sämtliche Materialien oder Bestandteile eines Produktes aus. Deshalb lohnt sich immer ein genauer Blick darauf, welcher Rohstoff konkret zertifiziert wurde.


GOTS: Besonders relevant für Textilien


Wer sich mit Corporate Wear, Mitarbeiterbekleidung oder Merchandise-Kollektionen beschäftigt, trifft häufig auf GOTS. GOTS steht für Global Organic Textile Standard.


Der Standard wird im Textilbereich eingesetzt und stellt Anforderungen an die verwendeten Naturfasern sowie an verschiedene Verarbeitungsstufen innerhalb der textilen Lieferkette.

Für Unternehmen, die Textilien beschaffen, kann GOTS daher eine wichtige Orientierung bieten.



OEKO-TEX: Häufig missverstanden


OEKO-TEX gehört zu den bekanntesten Kennzeichnungen im Textilbereich. Dabei wird häufig angenommen, dass jedes Produkt mit OEKO-TEX automatisch nachhaltig produziert wurde. So einfach ist die Einordnung nicht. Je nach Standard betrachtet OEKO-TEX unterschiedliche Aspekte. Am häufigsten begegnet Unternehmen OEKO-TEX STANDARD 100. Dieser Fokus liegt auf der Schadstoffprüfung von Textilien und ihren Bestandteilen. Das ist wichtig, beantwortet aber nicht automatisch alle Fragen zu Materialien, Lieferketten oder Produktionsbedingungen. Deshalb lohnt sich auch hier ein genauer Blick auf den jeweiligen Standard.


Was Zertifikate nicht leisten können


Ein Zertifikat liefert Informationen. Es liefert jedoch selten das vollständige Bild.

Aus unserer Sicht sollten Unternehmen zusätzlich Fragen stellen wie:


  • Wo wurde produziert?

  • Welche Informationen liegen zur Lieferkette vor?

  • Gibt es Audits oder Lieferantenbewertungen?

  • Welche Anforderungen gelten für Qualität und Compliance?

  • Wie lange wird der Artikel voraussichtlich genutzt?


Genau deshalb betrachten wir bei Verticas Zertifikate als einen Baustein innerhalb einer größeren Bewertung. Auch in unserem Nachhaltigkeitsbericht spielen neben Produktaspekten Themen wie Lieferantenbewertung, Auditierung, Qualitätssicherung und Transparenz eine wichtige Rolle.


Unser Blick auf Zertifikate bei Werbeartikeln


Zertifikate können dabei helfen, Materialien, Rohstoffe und bestimmte Prozessschritte besser einzuordnen. Sie beantworten jedoch nicht jede Frage. Wer Werbeartikel ganzheitlich bewerten möchte, sollte deshalb zusätzlich auf Faktoren wie Nutzungsdauer, Produktqualität, Herkunft, Lieferkette und Transparenz achten. Aus unserer Sicht entsteht ein differenziertes Bild oft erst dann, wenn Produkt und Prozess gemeinsam betrachtet werden.


Genau dieser Ansatz prägt auch viele unserer Projekte rund um Werbeartikel, Corporate Wear, Merchandise und Beschaffungslösungen.


Quellen & weiterführende Informationen

Stand der Recherche: November 2026


FAQs

Was bedeutet FSC bei Werbeartikeln?

FSC bezieht sich auf Holz- und Papierbestandteile eines Produkts. Das Zertifikat liefert Informationen zur Herkunft dieser Materialien aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Quellen.

GRS steht für Global Recycled Standard. Der Standard wird häufig bei Produkten mit Recyclingmaterialien eingesetzt und umfasst Anforderungen an Materialherkunft sowie bestimmte Aspekte der Lieferkette.

Fairtrade betrachtet vor allem bestimmte Rohstoffe und Handelsbedingungen. Das Zertifikat liefert wichtige Informationen, deckt jedoch nicht automatisch sämtliche Nachhaltigkeitsaspekte eines Produktes ab.

GOTS wird häufig für Textilien mit Anforderungen entlang der textilen Lieferkette eingesetzt. OEKO-TEX STANDARD 100 konzentriert sich primär auf die Schadstoffprüfung von Textilien und ihren Bestandteilen.

Nicht zwangsläufig. Zertifikate können wichtige Informationen liefern. Für eine umfassende Bewertung sollten weitere Faktoren wie Nutzung, Qualität, Lieferkette und Transparenz berücksichtigt werden.

Viele Unternehmen berücksichtigen heute Nachhaltigkeits-, Compliance- oder Lieferkettenanforderungen bei Beschaffungsentscheidungen. Zertifikate können dabei helfen, bestimmte Material- oder Prozessinformationen nachvollziehbar zu dokumentieren.


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