FSC, GRS, Fairtrade & Co. einfach erklärt: Welche Zertifikate bei Werbeartikeln wirklich aussagen

Wer nachhaltige Werbeartikel beschaffen möchte, stößt früher oder später auf eine Vielzahl von Siegeln und Zertifikaten.
FSC. GRS. Fairtrade. OEKO-TEX. GOTS.
Auf den ersten Blick vermitteln sie Orientierung. Gleichzeitig entstehen oft neue Fragen:
Was genau wird eigentlich geprüft?
Gilt das Siegel für das gesamte Produkt oder nur für einzelne Bestandteile?
Welche Unterschiede gibt es zwischen den Standards?
Und wann reicht ein Zertifikat allein nicht aus?
Aus unserer Sicht sind Zertifikate wichtige Informationsquellen. Sie helfen dabei, Materialien, Lieferketten oder bestimmte Produktionsschritte besser einzuordnen. Gleichzeitig ersetzen sie nicht die Betrachtung des gesamten Produkts oder der dahinterstehenden Prozesse.
Warum Zertifikate bei Werbeartikeln überhaupt relevant sind
In vielen Projekten spielen heute Themen wie Lieferkettentransparenz, Materialherkunft oder Nachhaltigkeitsanforderungen eine Rolle. Gerade bei Werbeartikeln, Corporate Wear oder Merchandising-Produkten besteht ein Artikel oft aus verschiedenen Materialien und Komponenten. Ein Notizbuch kann beispielsweise Papier, Karton, Leim, Druckfarben und Verpackungsmaterial enthalten. Eine Trinkflasche besteht möglicherweise aus Kunststoff, Metall, Silikon und einer individuellen Veredelung. Deshalb ist es hilfreich zu verstehen, welche Aussage ein Zertifikat tatsächlich trifft und wo dessen Anwendungsbereich endet.
Zertifikat, Audit oder Materialangabe: Das ist der Unterschied
Aus unserer Sicht werden diese Begriffe häufig vermischt. Dabei beschreiben sie unterschiedliche Dinge.
Begriff | Bedeutung |
Zertifikat | Unabhängiger Standard mit definierten Prüfkriterien |
Audit | Prüfung eines Unternehmens oder Produktionsstandorts |
Materialangabe | Beschreibung einer Produkteigenschaft |
Lieferantenbewertung | Bewertung von Prozessen, Qualität oder Compliance-Anforderungen |
Ein Beispiel:
Eine Tasche kann aus recyceltem Polyester bestehen. Das ist zunächst eine Materialeigenschaft.
Erst wenn die Herkunft und Verarbeitung des Recyclingmaterials nach einem anerkannten Standard geprüft wurden, entsteht daraus beispielsweise eine GRS-Zertifizierung.
FSC: Relevant für Holz- und Papierprodukte

Das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) begegnet Unternehmen besonders häufig bei:
Notizbüchern
Kalendern
Papiertragetaschen
Verpackungen
Holzartikeln
FSC bezieht sich auf die Herkunft von Holz- und Papierrohstoffen und verfolgt das Ziel einer verantwortungsvollen Waldwirtschaft.
Für Werbeartikel bedeutet das:
Ein FSC-Hinweis kann Informationen darüber liefern, aus welchen Quellen das verwendete Holz oder Papier stammt.
Wichtig ist jedoch:
Ein FSC-Zertifikat bewertet nicht automatisch das gesamte Produkt. Bei einem Notizbuch betrifft FSC beispielsweise hauptsächlich die Holz- oder Papierbestandteile.
👉 Nachhaltige Werbeartikel: Worauf Unternehmen bei der Auswahl wirklich achten sollten
GRS: Wenn Recyclingmaterial nachgewiesen werden soll

GRS steht für Global Recycled Standard.
Der Standard wird häufig bei Produkten eingesetzt, die Recyclingmaterial enthalten.Dazu gehören beispielsweise:
rPET-Trinkflaschen
Rucksäcke
Taschen
Textilien
Accessoires
GRS betrachtet nicht ausschließlich den Recyclinganteil eines Materials. Zusätzlich werden Aspekte der Lieferkette und bestimmte Anforderungen an Produktion und Chemikalienmanagement berücksichtigt.
Wichtig für die Praxis:
Ein Produkt mit GRS-Bezug macht eine Aussage über das verwendete Recyclingmaterial. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass das gesamte Produkt in jeder Hinsicht nachhaltig ist.
Material | Häufige Zertifikate |
Papier | FSC |
Holz | FSC |
Recyceltes Polyester | GRS |
Bio-Baumwolle | GOTS |
Baumwolle | Fairtrade |
Textilien | OEKO-TEX |
Fairtrade: Fokus auf bestimmte Rohstoffe

Fairtrade wird häufig mit Nachhaltigkeit gleichgesetzt. Tatsächlich konzentriert sich Fairtrade vor allem auf die Bedingungen bestimmter Rohstoffe und Produzentengruppen. Bei Werbeartikeln betrifft dies häufig:
Baumwolle
Lebensmittel
Kaffee
Tee
Kakao
Fairtrade macht Aussagen zu Handelsbedingungen und bestimmten sozialen Kriterien innerhalb der jeweiligen Lieferkette. Das Zertifikat sagt jedoch nicht automatisch etwas über sämtliche Materialien oder Bestandteile eines Produktes aus. Deshalb lohnt sich immer ein genauer Blick darauf, welcher Rohstoff konkret zertifiziert wurde.
GOTS: Besonders relevant für Textilien

Wer sich mit Corporate Wear, Mitarbeiterbekleidung oder Merchandise-Kollektionen beschäftigt, trifft häufig auf GOTS. GOTS steht für Global Organic Textile Standard.
Der Standard wird im Textilbereich eingesetzt und stellt Anforderungen an die verwendeten Naturfasern sowie an verschiedene Verarbeitungsstufen innerhalb der textilen Lieferkette.
Für Unternehmen, die Textilien beschaffen, kann GOTS daher eine wichtige Orientierung bieten.
OEKO-TEX: Häufig missverstanden

OEKO-TEX gehört zu den bekanntesten Kennzeichnungen im Textilbereich. Dabei wird häufig angenommen, dass jedes Produkt mit OEKO-TEX automatisch nachhaltig produziert wurde. So einfach ist die Einordnung nicht. Je nach Standard betrachtet OEKO-TEX unterschiedliche Aspekte. Am häufigsten begegnet Unternehmen OEKO-TEX STANDARD 100. Dieser Fokus liegt auf der Schadstoffprüfung von Textilien und ihren Bestandteilen. Das ist wichtig, beantwortet aber nicht automatisch alle Fragen zu Materialien, Lieferketten oder Produktionsbedingungen. Deshalb lohnt sich auch hier ein genauer Blick auf den jeweiligen Standard.
Was Zertifikate nicht leisten können
Ein Zertifikat liefert Informationen. Es liefert jedoch selten das vollständige Bild.
Aus unserer Sicht sollten Unternehmen zusätzlich Fragen stellen wie:
Wo wurde produziert?
Welche Informationen liegen zur Lieferkette vor?
Gibt es Audits oder Lieferantenbewertungen?
Welche Anforderungen gelten für Qualität und Compliance?
Wie lange wird der Artikel voraussichtlich genutzt?
Genau deshalb betrachten wir bei Verticas Zertifikate als einen Baustein innerhalb einer größeren Bewertung. Auch in unserem Nachhaltigkeitsbericht spielen neben Produktaspekten Themen wie Lieferantenbewertung, Auditierung, Qualitätssicherung und Transparenz eine wichtige Rolle.
Unser Blick auf Zertifikate bei Werbeartikeln
Zertifikate können dabei helfen, Materialien, Rohstoffe und bestimmte Prozessschritte besser einzuordnen. Sie beantworten jedoch nicht jede Frage. Wer Werbeartikel ganzheitlich bewerten möchte, sollte deshalb zusätzlich auf Faktoren wie Nutzungsdauer, Produktqualität, Herkunft, Lieferkette und Transparenz achten. Aus unserer Sicht entsteht ein differenziertes Bild oft erst dann, wenn Produkt und Prozess gemeinsam betrachtet werden.
Genau dieser Ansatz prägt auch viele unserer Projekte rund um Werbeartikel, Corporate Wear, Merchandise und Beschaffungslösungen.
Quellen & weiterführende Informationen
FSC International: https://my.fsc.org/my-en/get-fsc-certified/fsc-chain-of-custody-certification
Textile Exchange (GRS): https://textileexchange.org/recycled-claim-global-recycled-standard/
Global Organic Textile Standard (GOTS): https://global-standard.org/our-standards/gots
OEKO-TEX STANDARD 100: https://www.oeko-tex.com/de/unsere-standards/oeko-tex-standard-100
Stand der Recherche: November 2026
FAQs
Was bedeutet FSC bei Werbeartikeln?
FSC bezieht sich auf Holz- und Papierbestandteile eines Produkts. Das Zertifikat liefert Informationen zur Herkunft dieser Materialien aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Quellen.
Wofür steht GRS?
GRS steht für Global Recycled Standard. Der Standard wird häufig bei Produkten mit Recyclingmaterialien eingesetzt und umfasst Anforderungen an Materialherkunft sowie bestimmte Aspekte der Lieferkette.
Ist Fairtrade ein Nachhaltigkeitssiegel?
Fairtrade betrachtet vor allem bestimmte Rohstoffe und Handelsbedingungen. Das Zertifikat liefert wichtige Informationen, deckt jedoch nicht automatisch sämtliche Nachhaltigkeitsaspekte eines Produktes ab.
Was ist der Unterschied zwischen GOTS und OEKO-TEX?
GOTS wird häufig für Textilien mit Anforderungen entlang der textilen Lieferkette eingesetzt. OEKO-TEX STANDARD 100 konzentriert sich primär auf die Schadstoffprüfung von Textilien und ihren Bestandteilen.
Bedeutet ein Zertifikat automatisch, dass ein Werbeartikel nachhaltig ist?
Nicht zwangsläufig. Zertifikate können wichtige Informationen liefern. Für eine umfassende Bewertung sollten weitere Faktoren wie Nutzung, Qualität, Lieferkette und Transparenz berücksichtigt werden.
Warum spielen Zertifikate im B2B-Einkauf eine größere Rolle?
Viele Unternehmen berücksichtigen heute Nachhaltigkeits-, Compliance- oder Lieferkettenanforderungen bei Beschaffungsentscheidungen. Zertifikate können dabei helfen, bestimmte Material- oder Prozessinformationen nachvollziehbar zu dokumentieren.



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